Arbeit und Mutterschaft kombinieren: die ersten Monate zurück

Der erste Tag zurück. Du sitzt in einer Besprechung über ein Projekt, von dem du nichts weißt, während deine Gedanken bei der Kita sind und deine Brüste dich daran erinnern, dass es fast zwölf ist.

Die Rückkehr an den Arbeitsplatz ist für fast jede Mutter schwerer als erwartet – und das liegt selten an der Arbeit selbst.

Die ersten Wochen

Rechne mit einer Zeit, in der sich nichts richtig anfühlt. Bei der Arbeit denkst du an dein Kind, zu Hause denkst du an die unerledigte Arbeit. Dieses Gefühl legt sich meist nach sechs bis acht Wochen, wenn sich der neue Rhythmus eingespielt hat.

Was hilft: Beginne, wenn möglich, an einem Mittwoch oder Donnerstag. Zwei Arbeitstage und dann Wochenende sind eine viel sanftere Landung als eine volle Woche.

Du musst im ersten Monat nicht beweisen, dass du immer noch dieselbe Angestellte bist. Du bist ein anderer Mensch geworden – und meist einer, der besser Prioritäten setzen kann.

Deine Rechte in Deutschland

  • Abpumpen während der Arbeitszeit bis dein Kind neun Monate alt ist, bis zu einem Viertel deiner Arbeitszeit, unter Fortzahlung des Lohns. Dein Arbeitgeber muss einen geeigneten, abschließbaren Raum zur Verfügung stellen.
  • Anpassung deiner Arbeitszeiten kannst du nach dem Teilzeit- und Befristungsgesetz beantragen, wenn du länger als ein halbes Jahr beschäftigt bist.
  • Kurzfristige Arbeitsverhinderung (Notfallbetreuung) für akute Situationen, z.B. ein Kind, das plötzlich krank von der Kita abgeholt werden muss.
  • Kurzzeitige Arbeitsverhinderung bei Krankheit des Kindes (Kinderkrankentage) zur Pflege eines kranken Kindes, mit Fortzahlung von mindestens 90 Prozent des Nettoentgelts (für Selbstständige keine Lohnfortzahlung, aber Krankengeld).
  • Elternzeit: Bis zu drei Jahre pro Kind, für jeden Elternteil, wahlweise gleichzeitig oder nacheinander. In dieser Zeit ist man unbezahlt freigestellt, kann aber Elterngeld beantragen.

Diese Rechte sind keine Gefälligkeit. Sie sind gesetzlich verankert und du darfst sie ohne Entschuldigung in Anspruch nehmen.

Die Organisation zu Hause

Hier läuft es meistens schief, nicht im Büro. Zwei Dinge, die du im Voraus regeln solltest:

Wer ist die Notfallkontaktperson

Gib nicht standardmäßig nur deine Nummer auf dem Kita-Formular an. Teilt euch das auf oder lasst es wochenweise rotieren. Sonst bist du diejenige, die immer aus einer Besprechung raus muss.

Wer behält den Überblick

Impfungen, Kleidergrößen, Geburtstagsfeiern, Themen in der Kita. Teilt das explizit auf, nicht implizit. Siehe auch den Artikel über eure Beziehung nach dem Baby – hier entsteht die meiste Reibung.

Praktisch überleben

  • Am Abend vorher vorbereiten. Taschen, Kleidung, Brot. Der Morgen hat keinen Raum für Entscheidungen.
  • Am Wochenende kochen für zwei Werktagsabende. Das spart mehr Stress als jeder Zeitmanagement-Tipp.
  • Plane einen leeren Tag nach einer Arbeitswoche. Nicht jedes Wochenende vollpacken.
  • Sag in den ersten Monaten Nein zu Extras. Keine Ausschüsse, keine Läusemutter, kein "Kannst du mal eben".
  • Rechne mit Krankheit. Kinder in der Kita sind den ersten Winter ständig erkältet. Das ist kein Pech, das ist der Standard. Plane im Voraus einen Plan B und C.

Über die Arbeitszeitreduzierung

Viele Mütter arbeiten weniger. Das kann eine gute Entscheidung sein, aber triff sie bewusst. Schau nicht nur auf dein Nettogehalt versus Kinderbetreuungskosten – das ist eine Momentaufnahme. Schau auch auf die Rente, auf deine langfristige Position und darauf, was dir die Arbeit an Struktur und Eigenständigkeit gibt.

Und besprich es als Familienentscheidung, nicht als etwas, das selbstverständlich bei der Mutter liegt.

Arbeiten macht dich nicht zu einer schlechteren Mutter, und zu Hause bleiben macht dich nicht zu einer schlechteren Frau. Beide Entscheidungen erfordern nur, dass du sie selbst triffst.