Sie klammert sich an dein Bein. Die pädagogische Fachkraft hebt sie hoch und winkt mit fröhlicher Stimme. Du gehst hinaus, und auf dem Parkplatz beginnst du zu weinen.
Fast jede Mutter hatte das schon einmal. Und fast jedes Mal spielt dein Kind innerhalb von zehn Minuten.
Warum es so schwerfällt
Ungefähr mit acht Monaten entdeckt ein Baby, dass du weiterhin existierst, auch wenn du nicht im Blickfeld bist – und damit entsteht die Trennungsangst. Diese erreicht ihren Höhepunkt zwischen zehn und achtzehn Monaten und kehrt oft um das zweite Lebensjahr herum noch einmal zurück.
Dass dein Kind beim Abschied weint, ist also kein Zeichen dafür, dass etwas schiefgeht. Es ist ein Zeichen dafür, dass die Bindung funktioniert.
Ein Kind, das weint, wenn du gehst, ist ein Kind, das weiß, dass du wichtig bist. Genau das wolltest du erreichen.
Wie die Eingewöhnung funktioniert
Eine gute Betreuung baut sich auf: zuerst eine Stunde mit dir dabei, dann ein kurzer Moment allein, dann ein halber Tag, dann ein ganzer Tag. Nimm dir dafür, wenn möglich, drei bis vier Wochen Zeit.
Erkundige dich nach der Bezugsperson: Eine feste Bezugsperson, die dein Kind kennt, ist wichtiger als eine schöne Spielecke. Kinder binden sich an Menschen, nicht an Räume.
Der Abschied selbst
Kurz, deutlich und immer gleich
Überlege dir ein kleines Ritual: Jacke aufhängen, drei Küsse, am Fenster winken. Jedes Mal die gleiche Reihenfolge. Vorhersehbarkeit macht es erträglich.
Niemals heimlich wegschleichen
Es mag freundlich erscheinen, zu gehen, wenn sie gerade nicht hinsieht. Es ist das Gegenteil: Sie lernt, dass du einfach verschwinden kannst, und wird dich den Rest des Tages im Auge behalten.
Zögere es nicht hinaus
Fünfmal zurückzukommen macht es schwerer, nicht leichter. Sage, dass du gehst, sage, wann du in ihrer Sprache zurückkommst ("nach dem Schlafen"), und geh dann auch wirklich.
Behalte dein eigenes Gesicht ruhig
Dein Kind liest deine Anspannung fehlerlos ab. Weinen ist erlaubt – im Auto.
Was außerdem hilft
- Ein Kuscheltier oder Schmusetuch von zu Hause. Etwas, das nach eurem Zuhause riecht.
- Bitte um eine Nachricht. Die meisten Betreuungseinrichtungen senden gerne ein Foto, wenn dein Kind spielt. Das erspart dir einen ganzen Vormittag des Grübelns.
- Rede zu Hause darüber, aber nicht zu viel. Lies ein Buch über den Besuch in der Kita vor, nenne den Namen der Erzieherin.
- Plane die ersten Wochen ruhig. Die Eingewöhnung ist anstrengend. Rechne mit kurzen Zündschnüren, schlechten Nächten und mehr Kuschelbedürfnis.
- Sei pünktlich, besonders am Anfang. Als Letztes übrig zu bleiben ist für ein kleines Kind eine lange Zeit.
Rückschläge gehören dazu
Nach einem Urlaub, einer Krankheit oder einer Veränderung zu Hause kann es wieder von vorne beginnen. Das bedeutet nicht, dass die Eingewöhnung fehlgeschlagen ist. Nimm dann einfach das gleiche Ritual wieder auf.
Wann du Alarm schlagen solltest
Besprich es mit der Betreuung, wenn dein Kind nach sechs bis acht Wochen immer noch den ganzen Tag untröstlich ist, wenn es zu Hause stark verändert ist (extrem zurückgezogen oder sehr wütend), wenn es in der Betreuung nichts isst oder trinkt, oder wenn du einfach ein Bauchgefühl hast. Nimm dieses Gefühl ernst. Du darfst immer fragen, wie der Tag wirklich verlaufen ist, und du darfst unangemeldet vorbeikommen.
Du lässt dein Kind nicht im Stich. Du lässt sie lernen, dass es mehr Menschen gibt, die sich gut um sie kümmern – und dass du immer wiederkommst.