Sie kommt nach Hause und sagt, dass sie in der Pause allein war. Nicht gemobbt – einfach nicht gefragt. Und das schmerzt auf eine andere Weise.
Warum Freundschaften sich verschieben
Ungefähr in der 5. bis 8. Klasse ändert sich etwas Grundlegendes. Wo Kinder früher mit dem spielten, der zufällig neben ihnen saß, wählen sie jetzt nach Interessen, Status und Gruppen aus. Das bedeutet unweigerlich, dass bestehende Freundschaften auseinanderwachsen.
Es ist schmerzhaft und eine normale Entwicklung. Kinder lernen dadurch, wer sie selbst sind und was sie in anderen suchen.
Alleinsein ist nicht dasselbe wie Einsamkeit. Manchen Kindern reicht ein Freund oder Zeit für sich selbst. Schau, ob dein Kind unglücklich ist, oder ob du es bist.
Was du zu Hause tust
Zuhören, ohne sofort zu lösen
Der Reflex ist, zu sagen „die sind doof“ oder „lade doch einfach jemanden ein“. Beginne mit: „Wie schade. Erzähl mal.“ Kinder erzählen mehr, wenn keine Lösung hinterherkommt.
Mach nicht bei der Verurteilung mit
Heute ist die Freundin gemein, nächste Woche sind sie wieder unzertrennlich – und dann hast du etwas Hässliches über ihre beste Freundin gesagt.
Eins-zu-eins-Kontakt ermöglichen
Freundschaften wachsen in kleinen Settings, nicht in einer Gruppe von zehn. Lade ein Kind ein, für etwas Konkretes: zusammen backen, auf den Spielplatz gehen, einen Film ansehen.
Sorge für einen Ort außerhalb der Schule
Ein Sport, ein Verein, die Nachbarschaft, ein Cousin. Ein Kind, das an einem Ort den Anschluss verliert, aber anderswo dazugehört, bewahrt sein Selbstvertrauen.
Konkrete Sätze üben
„Darf ich mitmachen?“ ist schwieriger, als es scheint. Übe es zu Hause, auch wenn es sich seltsam anfühlt. Und lerne auch, was du tust, wenn die Antwort Nein ist.
Wenn es mehr ist als verschiebende Freundschaften
Wenn dein Kind systematisch ausgeschlossen wird, wenn über sie geredet wird oder wenn es gezielt und wiederholt ist – dann handelt es sich um Mobbing und dann ist ein anderer Ansatz nötig. Nimm dann Kontakt mit der Lehrkraft auf.
Auch bei Schulverweigerung, körperlichen Beschwerden, Niedergeschlagenheit oder Rückzug zu Hause: Besprich es mit der Schule und gegebenenfalls mit dem Hausarzt.
Und dein eigener Kummer
Dies schmerzt Eltern oft mehr als ihr Kind. Wenn du etwas aus deiner eigenen Schulzeit wiedererkennst, sei vorsichtig, dass du deine Geschichte nicht über ihre legst. Frage zuerst, wie schlimm sie es findet.