Frühgeburt: die ersten Monate und das korrigierte Alter

Alle Welt gratuliert dir, und du stehst an einem Inkubator und schaust auf ein kleines Menschlein, das du kaum festhalten darfst. Eine Geburt, die gleichzeitig ein Schock ist.

Korrigiertes Alter

Dies ist das wichtigste Konzept der ersten beiden Jahre. Wenn dein Baby acht Wochen zu früh geboren wurde, ziehst du für die Entwicklung acht Wochen von seinem Alter ab.

Ein sechs Monate altes Baby, das zwei Monate zu früh geboren wurde, tut also, was ein vier Monate altes Baby tut. Das ist kein Entwicklungsrückstand – das ist genau richtig.

Korrigiere bis etwa zwei Jahre. Danach haben die meisten Kinder den Rückstand aufgeholt.

Vergleiche nicht mit den Babys deiner Schwangerschaftsgruppe. Vergleiche mit dem Datum, an dem dein Kind eigentlich geboren werden sollte.

Känguruhen

Haut-auf-Haut-Kontakt ist bei Frühgeborenen kein Kuschelmoment, sondern eine Behandlung. Er stabilisiert Herzfrequenz, Atmung und Temperatur, fördert das Wachstum, hilft beim Stillbeginn und verkürzt die Verweildauer im Krankenhaus.

Bitte darum, so oft und so lange wie möglich. Dein Partner kann es auch tun.

Im Krankenhaus

  • Frage nach Erklärungen zu allem, was du nicht verstehst. Auch dreimal.
  • Frage, ob du bei der Pflege mithelfen kannst: Fieber messen, Windeln wechseln, über die Sonde füttern. Das macht dich wieder zur Mutter statt zum Besucher.
  • Beginne mit dem Abpumpen, sobald es möglich ist – meist innerhalb weniger Stunden nach der Geburt –, um deine Milchproduktion anzukurbeln.
  • Schreibe auf, was passiert. In dieser Zeit verschwimmen die Tage.

Zuhause

Die ersten Monate zu Hause sind oft aufregender als der Krankenhausaufenthalt. Es gibt keinen Monitor mehr, und das ist eine enorme Umstellung.

  • Halte den Besuch klein und bitte alle, bei Erkältung fernzubleiben. Frühgeborene sind anfälliger für Atemwegsinfektionen, besonders während der RSV-Saison.
  • Häufig füttern; kleine Mägen und ein höherer Energiebedarf.
  • Befolge die Termine bei der Nachsorgeambulanz und dem Kinderarzt. Diese Kontrollen sind genau für diese Gruppe da.
  • Frage nach Kinderphysiotherapie, wenn Zweifel an der Motorik bestehen. Frühzeitiger Beginn hilft.

Und du

Eine Frühgeburt ist für viele Mütter ein traumatisches Erlebnis: die plötzliche Geburt, die Angst, die Trennung. Flashbacks, Albträume und Schreckhaftigkeit sind nicht ungewöhnlich.

Sprich mit deinem Hausarzt oder der Nachsorge des Krankenhauses darüber. Es gibt wirksame Behandlungen, und viele Krankenhäuser bieten Nachgespräche mit dem Neonatologen an. Frage danach, auch wenn es schon Monate her ist.