Wenige Dinge sind so einsam wie der Verlust einer Schwangerschaft, von der kaum jemand wusste, dass sie überhaupt existiert.
Ungefähr jede zehnte festgestellte Schwangerschaft endet in einer Fehlgeburt, meist in den ersten zwölf Wochen. Es ist eine der häufigsten und am wenigsten besprochenen Erfahrungen überhaupt.
Warum es passiert
In den allermeisten Fällen liegt es an einer Chromosomenstörung bei der Befruchtung – einem Fehler in der Zellteilung, der dazu führt, dass sich die Schwangerschaft nicht entwickeln kann. Das ist nichts, was du verursacht hast oder hättest verhindern können.
Nicht durch Sport. Nicht durch Stress. Nicht durch das eine Mal, als du etwas gehoben hast. Nicht durch das Glas Wein, bevor du Bescheid wusstest.
Fast jede Frau sucht in ihrem eigenen Verhalten nach einer Ursache. Es gibt fast nie eine. Das ist kein Trost, aber es ist wahr.
Was medizinisch passiert
Es gibt meist drei Optionen, und du darfst daran mitentscheiden:
- Abwarten. Bei den meisten Frauen setzt es von selbst ein, innerhalb weniger Tage bis Wochen.
- Medikamente, um den Prozess in Gang zu bringen.
- Eine Ausschabung – ein kurzer Eingriff, um die Gebärmutter zu entleeren.
Der Blutverlust und die Krämpfe sind oft heftiger, als Frauen erwarten; es ähnelt einer starken Menstruation oder ist schlimmer. Bitte um gute Schmerzmittel und sorge dafür, dass du nicht alleine bist.
Rufe sofort an bei: Blutverlust, bei dem du mehr als zwei Binden pro Stunde durchnässt, Fieber oder Ohnmacht.
Danach
Deine Menstruation setzt meist innerhalb von vier bis sechs Wochen wieder ein. Du kannst oft schon bald wieder schwanger werden; es gibt keinen medizinischen Grund, lange zu warten, es sei denn, dein Arzt sagt etwas anderes. Wann du emotional bereit bist, ist eine andere Frage – und dafür gibt es keinen richtigen Zeitpunkt.
Eine Untersuchung der Ursache erfolgt in Deutschland meist erst nach drei aufeinanderfolgenden Fehlgeburten. Das fühlt sich hart an. Frage deinen Hausarzt, wenn du früher beunruhigt bist.
Über die Trauer
Du trauerst nicht um eine medizinische Tatsache. Du trauerst um ein Kind, das du dir bereits vorgestellt hattest: einen Namen, ein Gesicht, ein Weihnachten zu dritt. Dieser Verlust ist real, egal wie früh er war.
Und er ist unfair verteilt. Du hast es in deinem Körper gefühlt, dein Partner nicht – was nicht bedeutet, dass er keine Trauer empfindet. Sprecht darüber, auch wenn ihr es unterschiedlich erlebt.
Wo du Hilfe findest
Bei deiner Hebamme oder deinem Hausarzt, auch nur zum Reden. In Deutschland gibt es Selbsthilfegruppen und spezialisierte Begleitung. Wenn du monatelang niedergeschlagen bleibst oder dich nicht mehr trauen, zu hoffen, bitte um eine Überweisung.
Du musst nicht erklären, warum du traurig bist über etwas, das nur acht Wochen gedauert hat. Trauer verlangt keine Mindestdauer.