Komplimente geben, die wirken (und welche nach hinten losgehen)

Sie zeigt eine Zeichnung. Du sagst: "Wow, wie schön! Du kannst ja toll zeichnen!" Das ist lieb, und es ist genau die Art von Kompliment, die auf Dauer kontraproduktiv wirkt.

Talent loben versus Prozess loben

Die Forschung zu dieser Unterscheidung ist eine der bekanntesten in der Entwicklungspsychologie. Kinder, die für ihre Eigenschaften ("du bist schlau") gelobt werden, meiden schwierige Aufgaben – denn Scheitern würde bedeuten, dass sie doch nicht schlau sind.

Kinder, die für ihre Anstrengung und Herangehensweise gelobt werden, wählen eher die schwierige Aufgabe und halten länger durch.

"Du bist schlau" macht aus jedem Test ein Urteil darüber, wer du bist. "Du hast hart gearbeitet" macht etwas daraus, das du beeinflussen kannst.

Sätze, die wirken

  • "Du hast lange durchgehalten, auch als es schwierig wurde."
  • "Ich habe gesehen, dass du es dreimal versucht hast."
  • "Wie hast du das angepackt?"
  • "Erzähl mal von dieser Zeichnung – was ist das?"
  • "Du hast Sara geholfen, als sie hingefallen ist. Das war nett von dir."
  • "Du bist noch nicht am Ziel, aber du bist weiter als letzte Woche."

Worauf du achtest

Nicht übertreiben

"Das ist die schönste Zeichnung, die ich je gesehen habe" glaubt ein Sechsjähriger schon nicht mehr. Überzogenes Lob macht Kinder mit wenig Selbstvertrauen unsicherer – denn diese Messlatte werden sie nie erreichen.

Nicht das Selbstverständliche loben

Ein Kind, das für jeden Bissen Essen ein Kompliment bekommt, zweifelt an allem. Spare es für etwas auf, das wirklich Mühe gekostet hat.

Achte auf Komplimente zum Aussehen

Besonders bei Mädchen drehen sich Gespräche schnell darum, wie sie aussehen. Achte einmal darauf, wie oft du oder andere das tun, und verschiebe einen Teil davon auf das, was sie tut, denkt oder sich ausdenkt.

Beschreiben ist auch erlaubt

Du musst nicht alles bewundern. "Du hast den ganzen Himmel lila gemacht" ist oft besser als "schön!" – es zeigt, dass du wirklich hinsiehst.

Das Kompliment, das am meisten zählt

Aufmerksamkeit. Das Handy wegzulegen und dreißig Sekunden wirklich hinzusehen, bewirkt mehr als das am besten formulierte Kompliment vom Sofa aus.

Kinder hören nicht nur, was du sagst. Sie sehen, ob du hingesehen hast.