"Es ist das Natürlichste, was es gibt." Das sagen sie. Und dann steht man um vier Uhr morgens mit einem schreienden Baby, einer brennenden Brustwarze und dem Gefühl da, in etwas zu versagen, was selbst ein Tier kann.
Natürlich bedeutet nicht selbstverständlich. Stillen ist eine Fähigkeit, die ihr beide lernen müsst. Dass es nicht sofort klappt, sagt nichts über dich aus.
Wie richtiges Anlegen aussieht
Fast alle Schmerzen entstehen durch einen falschen Biss. Dein Baby sollte nicht nur die Brustwarze packen, sondern einen ordentlichen Bissen des Warzenhofs darunter nehmen.
- Ihr Mund ist weit geöffnet, wie bei einem Gähnen, bevor sie andockt.
- Ihr Kinn berührt deine Brust, ihre Nase ist frei.
- Ihre Unterlippe ist nach außen gewellt.
- Du siehst mehr Warzenhof über ihrer Oberlippe als unter ihrer Unterlippe.
- Du hörst Schlucken, kein Klicken.
Tut es nach den ersten paar Sekunden immer noch weh? Unterbrich den Sog mit deinem kleinen Finger im Mundwinkel und beginne von vorn. Durchbeißen führt zu rissigen Brustwarzen, nicht zur Gewöhnung.
Was in den ersten Tagen passiert
In den ersten Tagen gibst du Kolostrum: eine dicke, gelbe, konzentrierte Nahrung in winzigen Mengen. Der Magen eines Neugeborenen ist am ersten Tag so groß wie eine Murmel. Du musst keine Flaschen füllen.
Um den dritten bis fünften Tag herum beginnt deine Milchproduktion. Deine Brüste werden warm, hart und gespannt – das nennt man Milcheinschuss. Das kann ziemlich unangenehm sein. Stille oft, verwende Wärme kurz vor dem Stillen und Kälte (eine Kühlkompresse oder Kohlblatt) danach.
Deine Milchproduktion funktioniert nach dem Prinzip von Angebot und Nachfrage. Je öfter du stillst, desto mehr Milch produzierst du. Ohne Grund zuzufüttern, drosselt dieses System.
Brustwarzenrisse: Was hilft
Überprüfe zuerst den Biss – das ist in neun von zehn Fällen die Ursache. Des Weiteren: Reibe nach dem Stillen einen Tropfen deiner eigenen Milch über die Brustwarze und lasse ihn an der Luft trocknen. Lanolin ist erlaubt, waschen ist nicht nötig. Trage keine engen, feuchten BH-Einlagen.
Sind die Risse tief, oder siehst du Blut? Bitte eine Stillberaterin um Hilfe. Eine Beratung kann Wochen des Elends ersparen. Manchmal stellt sich heraus, dass ein Zungenbändchen im Spiel ist, und das lässt sich mit einem einfachen Eingriff beheben.
Wie weißt du, ob sie genug bekommt
Nicht an der Menge – die siehst du nicht. Aber an Folgendem:
- Ab Tag fünf: mindestens sechs nasse Windeln pro Tag.
- Stuhlgang, der von Schwarz über Grün zu Senfgelb wechselt.
- Sie nimmt nach der ersten Woche wieder zu und erreicht um die zweite Woche ihr Geburtsgewicht.
- Sie ist tagsüber wach und aufmerksam.
Und wenn es nicht klappt
Manchmal klappt es nicht. Aus medizinischen Gründen, wegen Medikamenten, wegen Erschöpfung oder einfach, weil es nicht geht. Dann wechselst du zur Flaschennahrung, und dein Kind wächst trotzdem prächtig auf. Eine Mutter, die atmen kann, ist mehr wert als eine Ernährungsmethode.
Die beste Ernährung ist die, bei der es euch beiden gut geht. Das ist kein Trostpreis. Das ist die ganze Aufgabe.
Frage früher um Hilfe, als du denkst, dass du sie brauchst. Bei deiner Hebamme, der Wochenbettpflege, der Mütterberatung oder einer Stillberaterin.